Manchmal sind es die auffälligsten neuen Funktionen, die nur wenige Stunden Entwicklungszeit benötigen.
Und manchmal steckt tagelange Arbeit in einem Update, von dem du zunächst fast nichts siehst.
Die Version 0.136 des Callers Caddy gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Sie enthält eine der größten technischen Veränderungen seit Beginn der Entwicklung – und beseitigt eine Grenze, die bereits im Callers Caddy 1.0 unter Windows XP existierte.
Warum Sequenzen bisher auf 15 Calls begrenzt waren
Als ich damals die Datenbank für den ersten Callers Caddy entwickelte, stellte ich mir eine ganz praktische Frage:
Aus wie vielen Calls kann eine Singing-Call-Sequenz bestehen?
Ich zählte nach und kam auf maximal 15 Calls. Also sah ich in der Datenbank genau 15 Felder dafür vor.
Das war zu dieser Zeit eine sinnvolle Entscheidung. Speicherplatz und große Datenbankabfragen waren zwar nicht unbedingt finanziell teuer, aber sie kosteten Performance. Deshalb plante man Datenbanken möglichst kompakt.
Auf dieser Struktur bauten später viele weitere Funktionen auf:
- das Speichern und Bearbeiten von Sequenzen
- der Import aus unterschiedlichen Quellen
- die Suche nach enthaltenen Calls
- Filter nach Programm und Schwierigkeit
- das Erkennen von Duplikaten
- die Auswertung und Darstellung der Sequenzen
Die Grenze von 15 Calls war deshalb nicht einfach nur eine Zahl, die ich an einer Stelle ändern konnte. Sie war tief in der Architektur des Callers Caddy verankert.
Die Anforderungen haben sich verändert
Heute spielen Speicherplatz und Prozessorleistung kaum noch eine Rolle. Moderne Rechner können Datenmengen verarbeiten, von denen wir zu Windows-XP-Zeiten nur träumen konnten.
Trotzdem achte ich weiterhin sehr bewusst auf die Performance. Bei größeren technischen Änderungen führe ich vorher und nachher Messreihen durch. Ich möchte nicht vermuten, dass eine Funktion schnell genug ist – ich möchte es belegen können.
Gleichzeitig verwenden immer mehr Callerinnen und Caller den Callers Caddy. Damit wurde auch der Wunsch nach längeren Modulen und Sequenzen immer lauter.
Also startete ich das vermutlich größte und gleichzeitig unauffälligste Update in der bisherigen Entwicklung.
Programmieren ist nicht immer der größte Teil der Arbeit
Viele Anwender vermuten wahrscheinlich, dass bei einer solchen Änderung das eigentliche Programmieren am längsten dauert.
Doch meistens ist das nicht der Fall.
Zunächst musste ich herausfinden, an welchen Stellen im Programm die bisherige Sequenzstruktur verwendet wird. Und das waren sehr viele.
Danach brauchte ich einen Plan:
- Wie soll die neue Datenstruktur aussehen?
- Wie bleiben bestehende Datenbanken lesbar?
- Welche Importwege müssen angepasst werden?
- Welche Filter und Auswertungen sind betroffen?
- Wie messe ich die Performance vorher und nachher?
- Wie verhindere ich, dass bestehende Sequenzen beschädigt werden?
Erst danach begann die eigentliche Umsetzung.
Beim Programmieren lasse ich mir inzwischen von Claude Code helfen. Die KI ist dabei gewissermaßen mein Maurer. Sie kann sehr schnell Bausteine zusammensetzen und Änderungen umsetzen.
Aber ich muss der Architekt bleiben: Ich muss wissen, was entstehen soll, welche Folgen eine Entscheidung hat und ob das Ergebnis wirklich stabil und sinnvoll ist.
Das Limit ist weg
Jetzt ist die Arbeit vollbracht:
Bisher waren maximal 15 Calls pro Choreografie-Sequenz möglich. Ab Version 0.136 gibt es dieses Limit nicht mehr.
Längere Module und Patter-Sequenzen werden jetzt vollständig gespeichert, angezeigt, durchsucht und verarbeitet.
Die Änderung bleibt zudem abwärtskompatibel. Ältere Versionen des Callers Caddy können weiterhin mit derselben Datenbank arbeiten – auch wenn sie die zusätzlichen Calls noch nicht vollständig nutzen können.
Der ultimative Belastungstest: mehr als 10.000 Sequenzen
Wie testet man, ob die neue Struktur wirklich schnell genug ist?
Indem man ihr richtig viel Arbeit gibt.
Bisher enthielt die Auslieferung des Callers Caddy ungefähr 2.500 Singing-Call-Sequenzen. Die Neuinstallation der Version 0.136 enthält nun weit über 10.000 Sequenzen.
Und dabei handelt es sich nicht mehr nur um Singing-Call-Sequenzen. Die Bibliothek enthält jetzt zahlreiche unterschiedliche Sequenztypen, darunter:
- Corner Progressions
- Right-Hand-Lady-Sequenzen
- Singing Breaks
- Zero-Varianten
- Module
- längere Patter-Sequenzen
- und viele weitere Choreografieformen
Trotz der vierfachen Datenmenge sind Suche und Auswertung belegbar nicht langsamer geworden.
Im Gegenteil: Bei der Umstellung konnte ich einige alte technische Zöpfe abschneiden. Dadurch laufen bestimmte Abläufe heute sogar deutlich schneller als vorher.
Auch der Import wurde grundlegend optimiert. Der Import von rund 10.000 Sequenzen dauert jetzt nur noch wenige Sekunden statt etwa einer Minute.
So erhältst du die neuen Sequenzen
Bei einer Neuinstallation des Callers Caddy sind die neuen Sequenzen bereits enthalten.
Wenn du den Callers Caddy schon verwendest und lediglich das Update installierst, werden sie jedoch nicht automatisch in deine Datenbank geschrieben.
Das ist beabsichtigt: Die Callers-Caddy-Update.zip überschreibt deine bestehende Datenbank nicht. Schließlich möchtest du deine eigenen Sequenzen, Bewertungen und Einstellungen behalten.
Die vollständige Sequenzbibliothek wird deshalb als separate Importdatei mitgeliefert.
Du findest sie nach dem Update im Programmordner unter:
Sequence-Import/sequence-import-v0136.json
So importierst du die Sequenzen
- Aktualisiere den Callers Caddy auf Version 0.136 oder höher.
- Öffne im Menü Sequences → Import Sequences.
- Wähle die Datei
sequence-import-v0136.jsonaus. - Stelle Override auf
Auto. - Wähle bei Type die Einstellung
From File. - Wähle bei Difficulty ebenfalls
From File. - Aktiviere Detect duplicates and skip them.
- Starte den Import.
Der Import dauert nur wenige Sekunden. Bereits vorhandene Sequenzen werden erkannt und übersprungen, sodass keine Duplikate entstehen.
Anschließend stehen dir nicht nur viele neue Sequenzen, sondern auch zahlreiche zusätzliche Sequence Types zur Verfügung.
Viele Sequenzen – trotzdem schnell das Richtige finden
Natürlich bringt eine große Bibliothek nur dann einen Vorteil, wenn du darin schnell die passende Choreografie findest.
Deshalb kannst du die neuen Sequenzen wie gewohnt filtern:
- nach enthaltenen Calls
- nach Sequence Type
- nach Schwierigkeitsstufe
- nach dem gewünschten Tanzprogramm
- nach unerwünschten Calls
- nach einem oberen oder unteren Programmlimit
Du kannst dir beispielsweise gezielt Plus-Sequenzen anzeigen lassen und reine Mainstream-Sequenzen ausblenden.
Der interne „Contains“-Filter verwendet dafür jetzt einen indizierten Nachschlageindex. Dadurch bleibt die Suche auch bei mehr als 10.000 Sequenzen schnell.
Die kleinen sichtbaren Verbesserungen
Obwohl der größte Teil dieses Updates unsichtbar im Hintergrund arbeitet, enthält Version 0.136 auch einige sichtbare Verbesserungen:
- Editierbare Dropdown-Felder öffnen sich jetzt mit einem Klick auf das gesamte Feld – nicht mehr nur über den kleinen Pfeil.
- Das Tippen zum Suchen innerhalb der Felder bleibt weiterhin möglich.
- Im Theme
win11ist der bisher kaum sichtbare Dropdown-Pfeil jetzt klar erkennbar. - Das Call Mapping besitzt neue Suchfelder für Call-Text, Figur und Quelle.
- Das Call Mapping öffnet sich sofort und zeigt während des Ladens eine Rückmeldung.
- Doppelte oder uneinheitliche Bezeichnungen von Sequence Types wurden zusammengeführt.
- Fehlerhafte Schein-Kategorien wie „Complete Dance Routine“ wurden bereinigt.
- Call-Texte bleiben nun auch im dunklen Theme gut lesbar.
Zusätzlich wurde ein Fehler bei Singing-Call-Abschnitten behoben: Überschriften wie „ALTERNATE OPENER – BREAK – CLOSER“ werden jetzt korrekt als Zusatzblöcke erkannt und nicht mehr mit den eigentlichen Opener-, Break- und Closer-Abschnitten verwechselt.
Bei betroffenen Songs musst du die Synchronisierung einmal neu durchführen.
Ein Update, das man kaum sieht – aber überall spüren wird
Version 0.136 bringt keinen spektakulären neuen Button mit, den ich auf einem Screenshot präsentieren könnte.
Stattdessen modernisiert sie eine Struktur, die seit der ersten Version des Callers Caddy existierte. Sie beseitigt die alte Grenze von 15 Calls, beschleunigt den Import, verbessert die Suche und schafft die Grundlage für wesentlich umfangreichere Choreografie-Bibliotheken.
Mehr als 10.000 Sequenzen. Kein Limit mehr bei der Sequenzlänge. Und trotzdem mindestens genauso schnell wie vorher.
Ich hoffe, du feierst dieses größte und vermutlich unauffälligste Update genauso wie ich.